Anfang der 1990er Jahre, konnte eine stolze Zahl von fast 90% aller Deutschen schwimmen. 30 Jahre später sind es weniger als die Hälfte aller Kinder die im Wasser nicht untergehen würden. Die Sommer werden heißer, die Badeseen beliebter und die Schwimmer schlechter.

Die Ursachen

In den Zeiten des Wirtschaftswunders der 1950-60er Jahre, wurde in beinahe jeder Kommune ein eigenes Schwimmbad errichtet. Scharenweise strömten ganze Familien in die schicken Becken und das Freischwimmer Abzeichen galt als unausweichlicher Schritt in Richtung Erwachsenwerden. Auf gutem Niveau schwimmen zu können, war in den öffentlichen Bädern und dem Verständnis der Menschen eine absolute Selbstverständlichkeit.

Über das vergangene halbe Jahrhundert, änderte sich diese Meinung um beinahe 180 Grad. Eltern priorisieren das Freischwimmer Abzeichen längst nicht mehr als notwendig und das nicht zuletzt wegen des stark geschrumpften Angebots an Schwimmbädern. Pro Jahr werden etwa 100 Bäder geschlossen und der Trend setzt sich fort. Eltern fragen sich, warum sie ihrem Kind das Schwimmen beibringen sollten, wenn die nächste Gelegenheit doch ohnehin viel zu weit weg ist. Es entwickelt sich ein perfider Teufelskreis, denn durch das Fernbleiben der Gäste, werden die übrigen Hallen zu massiven Sparmaßnahmen gezwungen. Erst können Kosten für nötige Sanierungen oder Instandhaltungen nicht mehr aufgebracht werden, bis schließlich sogar an Heizkosten gespart werden muss und das Badewasser im kühler wird. Dieser Verfall der Bäder, spart den Betreibern zwar Geld, doch ihre Freizeitstätten werden für Besucher kontinuierlich unattraktiver. Am Ende des tragischen Überlebenskampfes, müssen sich viele Schwimmbäder der Masse an insolventen anschließen.

Die Fehlinterpretation des Seepferdchen Abzeichens ist ein weiterer Grund für die enorme Anzahl an Nichtschwimmern. Viele Eltern deuten das Erreichen dieser Leistung ihrer Kinder fälschlicherweise als Beweis für schwimmerische Fähigkeiten. Bei der Einführung des Seepferdchens, war es aber lediglich als erste Etappe des langen Prozesses schwimmen zu lernen gedacht. Laut Bademeistern schützt es Kinder maximal davor, wie ein Stein unterzugehen, wenn sie ins Wasser fallen. In nur wenigen Stunden werden den Schülern nämlich lediglich die Grundlagen beigebracht. Im offenen Meer, in unbeaufsichtigten Weihern oder vollen Schwimmhallen, sind die Herausforderungen jedoch deutlich anspruchsvoller und wehrlos sind die Kinder Strömungen oder der Überschätzung ihrer Ausdauer ausgeliefert.

Die Folgen

Im Jahr 2018 betrug die Zahl der Ertrunkenen alleine in Deutschland 504. Innerhalb von 365 Tagen bedeutet das einen Anstieg der Opfer von genau 20%. Auch andere Badeunfälle, die nicht mit dem Tod enden mussten, verzeichnen Jahr um Jahr ein neues Rekordhoch. Auch wenn sie glimpflich ausgehen können, bedeuten Unfälle im Wasser direkte Lebensgefahr.

Tipps für Eltern

In der Erziehung eines Kindes, muss der Fähigkeit schwimmen zu können ein höchstmöglicher Wert beigemessen werden um tragischen Unfällen prophylaktisch entgegenzuwirken und es gar nicht erst soweit kommen zu lassen. Vater und Mutter sollten sich mit dem Seepferdchen Abzeichen nicht zufrieden geben und möglichst früh den nächsten Schritt, den Freischwimmer, anpeilen. Denn nur er ist es, mit dem man offiziell als Schwimmer gilt und mit dem man professionell und souverän schwierige Situationen im Wasser meistern kann.

Eine weitere Maßnahme ist, den Kleinen beizubringen, dass Wasser vom Badespaß auch schnell zur tückischen Falle werden kann. Die Badetoten erlagen oft den Konsequenzen von fahrlässigem Handeln. Viele überschätzen ihre Fähigkeiten maßlos oder nehmen die Macht des Wassers so wenig ernst, dass sie gar berauscht hinein springen. Gefahren die zweifellos auf mangelnde Aufklärung zurückzuführen sind, die sich aber ebenso leicht nehmen lassen. Wird einem Kind von klein auf klar gemacht, dass im Wasser auch viele schwerwiegende Unfälle passieren können und es deshalb nicht zu unterschätzen ist, wird es in keinem Alter zu irgendwelchen Dummheiten neigen.

Als Erwachsener Schwimmen Lernen

Neben den Kindern sind es auch immer mehr Erwachsene, die sich kaum oder gar nicht über Wasser halten können. Für diese Gruppe von Frauen und Männern, gibt es eigene Schwimmkurse. Sie erfreuen sich größter Beliebtheit und haben Potenzial, ein probates Mittel zu werden, die Anzahl der Badetoten wieder sinken zu lassen. Ohne Scham oder Peinlichkeit, tummeln sich dabei die verschiedensten Bevölkerungsschichten und Altersgruppen im Wasser, um das gemeinsame Ziel, dieses Versäumnis final aufzuarbeiten, zu erreichen.

Besonders als Elternteil ist es von essenzieller Wichtigkeit das Schwimmen zu beherrschen. Sie erfüllen Vorbild- und Schutzfunktion und es liegt klar in ihrer Aufgabe, dem Kind mit gutem Beispiel voran zu gehen.